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Neuen Steg anpassen I - Füsse (Fitting Bridge legs)

Zum Anfertigen eines neuen Steges halte ich mich in etwa an die Anleitung von Chuck Traeger. Ich möchte daher seine Arbeitsschritte hier mit gleicher Nummerierung übernehmen und nur meinen Senf dazu geben.
Siehe sein Buch ab Seite 82ff.

Doch nun ans Eingemachte. Zum Anpassen eines Steges ist es nötig dass der Stimmstock bereits steht und halbwegs in Position ist.

1) Mit meinem Alublech zum Ermitteln der richtigen Stegfussbreite ermittle ich nochmal die Lage des Bassbalkens. Dies wird mit Bleistiftstrich an der Decke markiert.

3) die A-Saite wird provisorisch eingespannt und benutzt um den Steg aufrecht zu halten. Dazu ist es nötig den Stachel bereits fertig einzupassen. Weiters muss ein Tuch unter dem Saitenhalter auf der Decke plaziert werden, um Kratzer zu vermeiden.

Um den Saitendruck auf den Steg und die folgende Spreizung der Füsse aufgrund der Deckenwölbung zu simulieren, bau ich einen

STEGFUSSSPREIZER
nach Peter Chandler, S73-Figure 107 Zwei Stück Hartholz werden einseitig gerundet. Dann in beiden eine 6mm Bohrung. Nun ein Stück M6-Gewindestange ca. 50mm lang einstecken. Mit zwei Muttern inkl. Beilagscheiben werden die beiden Klötzchen zwischen den Stegfüssen eingeklemmt. Nun vorsichtig die Füsse in etwa 1-2mm spreizen.


4,5) mit einem Karton zeichne ich Verbindungslinie zwischen inneren F-Loch Schnitzmarken und den äusseren, oberen Marken.
6) Steg wird mittig über Mittellinie der inneren Marken positioniert, die Seite mit dem Stempel des Herstellers zeigt nach oben Richtung Griffbrett
9-12) der Steg wird mittig zum Basskorpus, F-Löcher ausgerichtet

13) mit einem Tischlerwinkel wird nun die vertikale Lage fixiert. Der Steg sollte ca. 3.5mm mehr Richtung Saitenhalter (also nach "hinten") geneigt sein. Der Saitenzug zieht den Steg immer Richtung Griffbrett und daher sollte der Winkel auf Saitenhalterseite <90 sein um diesem entgegenzuwirken.

14) nun ein Blick von der Griffbrettseite her zum Steg um zu kontrollieren ob der Steg an der Oberseite überhaupt mittig zum Griffbrett steht. Falls nicht wird an der "niederen" Seite ein Holzkeil unter den Fuss geschoben. Dies soweit bis der Steg kippt und sich mittig zum Griffbrett befindet.
15) mit einem Schulzirkel oder ähnlichem Anreisswerkzeug ziehe ich nun parallel zur Deckenwölbung eine Linie an der Breitseite des erhöhten Stegfusses mit dem Keil. Dies gerade hoch genug um die Wölbung auf der ganzen Fussbreite zu übertragen. Mit dieser Einstellung ziehe ich gleiche Linie am 2ten Stegfuss. Es sollte nun mindestens 5mm vom unteren breiten Teil des Fusses übrig sein, ansonsten reicht eine Schrägstellung des Steges nicht und man muss auch oben bei der Saitenlage diesen Versatz ausgleichen.
16) wenn Höhe aber passt ziehe ich Linie an allen 4 Seiten jeden Fusses. Dies ist nun die Kontur passend zur Decke.
17) mit Bandsäge, Feile etc. wird diese Kontur nun möglichst genau ausgeschnitten

Zum genauen Anpassen der Sohle der Stegfüsse verwende ich die sogenannte Schleifpapermethode. Dazu baue ich mir einen dritten "Fuss" genannt

BRIDGE FITTING JIG
welche es für Violine und Cello zu kaufen gibt.

Ich dachte erst das Ding sollte verstellbar sein - war aber Blödsinn. Es reicht 2 Hartholzklötze im rechten Winkel zu verbinden. Auf eine Unterseite kommt eine kleine Bockrolle aus dem Baumarkt. Auf die stehende Seite kommt ein Klemmbrett mit 2 Torbandschrauben. Das Gegenstück ist ein zweites passend gebohrtes Klemmbrett.


20) der Steg wird wieder mit kontrolliertem Winkel aufrecht in Position gestellt. Nun das Bridge Jig an der Griffbrettseite anstellen. Durch die Schräge des Steges passt es sich automatisch in einer Lage an. Mit Gegenstück waagrecht anklemmen. Der Steg steht nun von alleine und A-Saite kann beiseite gelegt werden. Der Steg hat nun die gewünschte Schrägstellung. Es wird als letzter Schritt mit Klebeband (nicht zu stark haftend wegen Oberfläche ! ) 180er Schleifpapier an Decke in Stegposition befestigt. Dann braucht man nur mehr mit den beiden Füssen hin und her schleifen und fertig ist die perfekte Kopie der Deckenkontur.

26) der untere schmale Teil der Füsse wird nun mit Bandsäge nach unten nachgeschnitten, damit der an Decke aufsitzende breite Teil ca. 3.5mm stark ist. Fuss schön verlaufend abrunden. Mit Bandsäge oder Handsäge ausschneiden und schön glatt schleifen.

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